Andert-Wein: Ke(c)k 2021

Pamhagen, Seewinkel, Burgenland
Rebsorte: Blaufränkisch

Kategorie: classic – funky – crazy

Am Rande des burgenländischen Seewinkels, nah der ungarischen Grenze wachsen Michael und Erich Andert gemeinsam mit fünf weiteren Geschwistern in einem kleinen Bauernhof auf. Für den 14 Jahre älteren Michael ist von Beginn an klar, er möchte Bauer werden. Aber auch das Thema Wein packt ihn früh, so macht er nach der Landwirtschaftsschule die Ausbildung zum Kellermeister und arbeitet jahrelang hauptberuflich als solcher in verschiedenen österreichischen Weingütern. Sein Weg führt ihn unter anderem zum Weingut Sepp Moser (Folge 40), wo er gemeinsam mit Niki Moser die Biodynamie für sich entdeckt und ab 2003 schrittweise sowohl in der burgenländischen Dépendance des Weinguts Sepp Moser als auch im eigenen landwirtschaftlichen Betrieb umsetzt. 2012 trennen sich die Wege und Michael Andert konzentriert sich von da an voll und ganz auf die mittlerweile Demeter-zertifizierte eigene Landwirtschaft – dazu gehört auch der Weinbau. Michael verstärkt seinen Fokus auf Naturwein, aber auch die naturnahe Landwirtschaft an sich bleibt für ihn immer essenziell.

Erich Andert führte ein edukativer Glücksgriff zum Thema Wein. Er entschied sich für eine Ausbildung im Pannoneum, ohne zuvor zu wissen, dass es sich um eine Tourismusfachschule handelt – Jungsommelierausbildung inklusive. Im Anschluss ging es direkt in die Gastronomie, bald landete er in Wien. Zu seinen beruflichen Stationen als Sommelier gehörte unter anderem das Palais Coburg, das ihm zwei wichtige Bekanntschaften bescheren sollte. Zum einen lernte er dort Moritz Herzog, den späteren Gründer des Naturweinhandels Weinskandal kennen, zum anderen seine Frau Catherina. Luis Kracher, der Erich schon in seiner frühen Gastrokarriere gefördert hatte, holte ihn ins Team von Kracher International Wines, wo er rund 10 Jahre lang blieb. 2017 kam er schließlich dort an, wo er auch heute noch zu finden ist – bei Moritz Herzog im Weinskandal. Neben dieser Tätigkeit arbeitet er gemeinsam mit seinem Bruder Michael  an Andert-Wein und pendelt zwischen Wien und Pamhagen. Den ersten Erich Andert Wein gibt es 2003 – Michael macht ihn als Dank für Erichs Unterstützung beim Verkauf der Weine. Die ikonisch-minimalistische Etikette entwirft Christian Tschida (Folge 19). Schon 2004 fügen die beiden Andert-Brüder ihre Weine zu einer Linie zusammen, das neue Etikett darf bleiben.

Nun aber zu jener Person, der wir den Ke(c)k 2021 verdanken: Catherina Stabentheiner-Andert. Kurz nachdem sie Erich im Palais Coburg kennenlernt, übernimmt sie seinen Job und bleibt dort einige Jahre als Sommelière. 2009 beschließt sie, zu Erich ins Burgenland zu ziehen. Ständiges Pendeln möchte sie vermeiden, sieht sich nach einem Job in näherer Umgebung um und landet so bei Claus Preisinger (Folge 9). Auch bei Andert-Wein ist sie involviert und beschließt 2020, nun endlich ihren eigenen Wein zu machen. Ein Blaufränkisch soll es sein – ihre Lieblingsrebsorte. Nur gibt es auf den rund 4,7 Hektar Rebfläche der Anderts in Pamhagen keinen, erst ein Rebflächenzuwachs in Neusiedl am See bringt zwei Reihen Blaufränkisch an der Riede Lange Ohn. Catherina ist kein Fan von Holzeinsatz, also kommt der Blaufränkisch – oder Kékfrankos, wie er auf ungarisch genannt wird – in eine georgische Amphore, zur Verfügung gestellt von Claus Preisinger. Teils werden für den Wein ganze Trauben vergoren, teils werden sie mit den Füßen eingemaischt. Dann werden sie in einen großen, verschlossenen Immervoll-Stahltank angegoren, danach gepresst und schließlich landet der Most für rund 10 Monate in der Amphore, bevor er unfiltriert und minimal geschwefelt abgefüllt wird.

Weinfotos: © Wein für Wein; Foto der Winzer:innen: © Andert Wein / Ingo Pertramer

Verkostungsnotiz
„Bordeauxrot“ nennt Michael den Farbton dieses erkennbar unfiltrierten Weins. Kirsche und rote Waldbeeren kommen uns in der Nase zuerst entgegen, wunderschön und cleaner als erwartet. Erst nach und nach kommt die Würze zum Vorschein, wie frisch zerstoßener Pfeffer, dazu ein wenig Waldboden. Etwas Funk ist da durchaus, fügt sich aber eher im Chor ein, als Hauptdarsteller zu sein. Am Gaumen bleibt die Abfolge der Aromen bestehen – zuerst juicy rote Kirsche, ein wenig Cranberry, Preiselbeere und Walderdbeere dazu. Dann legt die Würzigkeit richtig los, dazu kommen verhaltene Hefenoten. Leicht und tänzelnd kommt er daher, der Ke(c)k, ganz wie dem Namen nach zu erwarten ist, mit leichter Tanninstruktur und spürbar wenig Alkohol – im besten Sinne. Der von Würze geprägte Abgang bleibt uns zwar nicht ewig erhalten, macht aber nix, man hat ohnehin sofort Lust auf den nächsten Schluck. Trinkfluss ohne Ende hat dieser Wein jedenfalls, gefällt uns sehr gut!

9,3/10

Punkte Kady

Rot, richtig juicy & würzig, eher auf der leichten Seite und mit genau dem richtigen Bisschen Funk & Struktur – das mir das sehr gut gefällt, überrascht wohl niemanden.

9,3/10

Punkte Michael

Eine richtig schöne, cleane Frucht, dazu eine schöne Würze, durchaus funky, aber genau richtig. Dazu noch ordentlich Trinkfluss, das funktioniert schon sehr gut!

Und hier findet ihr den Wein
Die Andert-Weine findet ihr bei Weinskandal, so auch den Ke(c)k von Catherina Stabentheiner-Andert, Kostenpunkt € 21,00. Hier gibt’s außerdem die Säfte und den Verjus von Andert. Im Hofladen in Pamhagen, der immer Freitagnachmittags geöffnet ist, bekommt ihr saisonal verfügbare landwirtschaftliche Produkte wie Gemüse, Aufstriche, Kräutersalz, Senf, selbst geräucherten Speck, Würste uvm.

Das können wir noch empfehlen…
Andert-Wein bringt üblicherweise ordentlich Funk ins Glas, wobei die Weißweine noch einen Ticken wilder sind als die Roten. Für die Essensbegleitung eignen sie sich aufgrund ihrer Struktur richtig gut, uns ist insbesondere der Ruländer 2021 in Kombination mit einem Zwiebelsuppen- und Linsengericht im Tian in Erinnerung geblieben. Richtig Spaß macht übrigens auch das Personalgetränk von Andert-Wein!

Podcast-Folge Nr. 81
Unsere Podcast-Folge zum Ke(c)k von Andert-Wein könnt ihr überall hören, wo es Podcasts gibt – zum Beispiel direkt hier oder bei Spotify.