Önotourismus in Südtirol: Ein Guide durch das beste Essen und die genialsten Weinkarten der Region

Autor: Michael
Dauer: 4 Tage
Reisezeit: August 2026
Fokus: Kulinarik

Inhalt

  1. Zum Löwen
  2. Eggerhof
  3. Hotel Elephant
  4. Gasthof Kohlern
  5. Blaue Traube

Kady und ich waren im August mal wieder in Südtirol – eine unserer absoluten Lieblingsregionen, denn nirgends auf der Welt gibt es auf so engem Raum so viel gute Produkte, großartigen Wein, geniale Restaurants und Unterkünfte. Wir haben die besten Stopps für Essen & Trinken für euch getestet und euch natürlich auch paar schöne Unterkünfte herausgesucht!

Zum Löwen, Tisens 

Am ersten Abend unseres heurigen Südtirol-Trips waren wir in einer echten Institution: Zum Löwen in Tisens. Rund 20 Kilometer nordwestlich von Bozen, das Etschtal Richtung Meran rauf findet man den Gasthof zum Löwen in einem alten Innenhof des verwinkelten Bergdorfs Tisens. Das Interieur ist einfach, fast spartanisch – aber dafür sind wir auch nicht da. Das Essen des Löwen hat jahrzehntelang Anna Matscher geprägt, ihres Zeichens Südtirols erste Sterneköchin. Heute führt ihr Mann Luis, der für die legendäre Weinkarte verantwortlich ist, das Restaurant mit Tochter Elisabeth weiter und auch das Küchenteam ist weitgehend gleich geblieben. Hier bekommt man großartige Produktqualität, zeitlos interpretiert, nicht zu verspielt. Der Oktopus war sehr on point, perfekt zart und fest. Auch die Pastagerichte (Ravioli mit Kabeljau!) waren fantastisch. Das ist Wohlfühlküche, die kein Fine Dining-Erlebnis imitieren möchte. Ehrlich, authentisch, wunderbar. Die Weinkarte ist im Vergleich dazu fast schon absurd: Neben großen Klassikern aus Südtirol kann man hier old-school-Burgund trinken – von Rosseau über Romanee-Conti bis Hubert Lignier. Sehr schön. Daneben stehen Clos Rougeard 2015, Rinaldi, Pian dell Orino oder reife Spätburgunder von Bernhard Huber. Alles was das Herz begehrt, preislich schwer in Ordnung. Alles was pfeift und in die Riedel-Karaffe passt quasi. Letztere gibt etwas Einblick in die Jahrzehnte an Tradition des Hauses.

Beim Löwen in Tissens: Gut getrunken und gegessen.

Wir haben uns für einen großen Pinot Vergleich entschieden: Der Blauburgunder vom Kalk aus dem Hause Niedrist (rund 95€) gegen Chambolle-Musigny Premier Cru Les Charmes von Amiot-Servelle (rund 170€). Beides aus 2019, beides großartige Weine. Niedrist direkt aus der Flasche zugänglicher, brilliert mit schöner Säure und ordentlich Trinkfluss. Das muss sich absolut nicht gegen den großen Burgunder verstecken, natürlich ist das rustikaler und klar der einfachere Wein. In sich aber einfach großartig. Amiot-Servelle kommt reduktiver, tiefer und dunkler daher. Das hat viel mehr Luft gebraucht um auch nur etwas aufzumachen. Das ist der saftigere, samtigere, klar größere Wein – aber an diesem Abend macht Niedrist mehr (Trink-)Freude.

Eggerhof, Marling bei Meran 

Am nächsten Tag ging’s Mittags noch etwas weiter die Berge hoch: Der Eggerhof von Fabi und Emi liegt auf rund 1200 Meter Höhe über Meran – wir haben Fabi beim letzten Südtirol Trip Ende 2025 im Restaurant Miil kennengelernt und wollten ihn unbedingt besuchen kommen. Gut so. Die Location alleine ist den Besuch wert: Der Blick übers Etschtal ist fantastisch, aber die Küche steht dem um nichts nach. Zartes Carpaccio von den eigenen Hochlandrindern, darüber fein gehobelte, rohe Pilze. Großartig auch die intensive Suppe aus gelben Tomaten, hier wird auf höchstem Niveau gekocht – und das auf einem Berggasthof, der sich Mittags mit Wanderer und Mountainbikern füllt. Für die sportlichere Fraktion gibt es auch ganz klassische, richtig deftige Gerichte: Da gibt’s auch mal Schweinsbraten oder – wenn Emi’s andalusische Wurzeln durchschlagen – eine Paella. Ganz großartig! Das Fabi dann mit seiner Weinkarte die komplette Südtiroler Avantgarde (Daniel Sigmund und viele mehr!) und viele großartige (naturnahe) Flaschen aus Italien, Österreich und Deutschland auf der Karte hat macht extra Spaß. Bonuspunkte: Vieles davon gibt’s auch glasweise. Ein fantastischer Ort, der uns mit Sicherheit wieder sieht!

Was Fabi und Emmi hier zaubern, ist sensationell.

Hotel Elephant, Brixen

Zum zweiten Abendessen unseres Kurztrips ging es in eine Institution, die auf keiner Südtirol-Reise fehlen darf. Punkt. Für dieses Lokal – oder besser gesagt für diese, die beste Weinkarte der Region – fahren wir jedes Mal für einen Abend nach Brixen. Ins Hotel Elephant. Neben dem besternten Fine Dining Restaurant „Apostelstube“ findet man hier auch das Restaurant Elephant. Und genau darum geht’s. So traditionell wie nur irgend möglich: Weiße Tischdecken und Silberbesteck in den holzvertäfelten Stuben, ein Service alter, französischer Schule. Beef Tatar, das direkt am Tisch zubereitet und gewürzt wird. Weltklasse. Geht nicht besser. Zum Hauptgang Rindsfilet auf Trüffelmousseline, Hirschrücken auf Blaukraut oder Saibling mit Krenschaum. You get it. Die große Klassik. Ein Serviceteam, das immer performt – auch wenn im Erdgeschoss gerade die Titanic untergeht, weil durch Hagel und Starkregen die ganze Etage unter Wasser steht. Im Restaurant im ersten Stock bleibt man tiefentspannt. Und dann gibt’s da natürlich noch diese sagenumwobene Weinkarte: Ganz einfach, kaum wo in Südtirol wirst du günstiger Rinaldi trinken als hier. Die Tiefe von Piemont und Burgund, von Oldschool bis Hype-Weingut, das findet man vielleicht an keinem anderen Ort der Welt. Du willst wissen, wie Maison Glandien neben Lorenzo Accomasso performt? Kein Problem. Philine Isabelle gegen Roumier? Kann man machen. Und: Vergesst mir nicht die geniale Champagner-Karte on top!

Der Klassiker schlechthin. Elephant.

Wir haben zweimal groß bestellt: Einmal aus der Region, nämlich eine fantastische Flasche Römigberg Cor 2000 von Alois Lageder. Und einmal Guiseppe Rinaldi Barolo Bussia 2021. Legendäre Flaschen. Römigberg mit einer Frische nach fast 30 Jahren, unfassbar, fast jugendlich. Wundervoll gereift. Bussia 2021 war sehr verschlossen am ersten Abend, das hat erst am nächsten Tag so richtig aufgemacht – dann war es aber sehr nahe an der Perfektion.

Weine in Perfektion.

Gasthof Kohlern, Kohlern bei Bozen

Unseren dritten Abend haben wir kurzerhand etwas umgeplant: Wir waren nach unserer Podcast-Aufnahme bei Martin & Marion vom Weingut Pranzegg im Gasthof Kohlern eingebucht. Und irgendwie ist aus einer Podcast-Aufnahme auf Grund der guten Gespräche gleich ein gemeinsames Abendessen geworden. Direkt oberhalb von Bozen gelegen, wenige Minuten von Pranzegg den Berg weiter hinauf, thront der Gasthof mit seiner Jugendstil-Achitektur über Bozen. Der weite Blick ins Etschtal zur Linken, ins Eisacktal zur Rechten. Hier auf der Panoramterrasse sitzen, während die Gewitterfronten in die Täler ziehen. Ein beeindruckendes Schauspiel. Mindestens genauso beeindruckend ist auch der Gastgeber des Hauses, Josef Schrott. Ein positiv Verrückter. Die Weinkarte bietet einen großartigen Überblick über Südtirol, aber auch fantastische Flaschen aus Deutschland, Österreich, Italien oder Frankreich. Vieles naturwein-lastiger a la Emidio Pepe oder Claus Preisinger, aber auch große Klassiker wie Bürklin-Wolf finden Platz auf dieser sehr diversen Weinkarte. Wir hatten ein sehr schöne Flasche Grillo Integer von Marco de Bartoli und blind einen fantastischen Barolo von Viglione aus 2013, ein großer Klassiker. Beim Essen gewinnen die Gerichte mit der meisten Tradition: Kloatzn-Ravioli, Spinatknödel oder die besonders großartige venezianische Leber. Muss man mögen, aber wer das liebt, wird es feiern!

Hoch über Bozen mit bester Aussicht.

Blaue Traube, Algund bei Meran

Und unser letzter Stopp in Südtirol war wahrscheinlich essenstechnisch der Beste: Die Blaue Traube in Algund. Christoph Huber und sein Team kochen absolut gewaltig: Abends als sehr stimmiges Menü in 10 Gängen – für 99 Euro pro Person auch sehr fair. Und Mittags a la carte. Draußen auf der Terrasse, beste Leben. Das hausgemachte Sauerteigbrot, das Abends in großer Zelebration vom Chef selbst mit einer riesigen Säge aufgeschnitten wird, ist der Perfektion nahe. Die Eierschwammerl-Pasta kann man getrost zu den Gerichten des Jahres zählen, dicht gefolgt von den Oktopus-Gnocchi. Mittags ist hier Wohlfühlküche angesagt, aber das Niveau ist so unfassbar hoch. Grande! Einzig die Weinkarte ist nicht nur schwach, sondern geradezu frech: Abseits der konfusen Kuratierung sind es vor allem die Preise, die teilweise nach Abzocke schreien. Neben einer kleinen Karte langweiliger Klassiker stehen dann doch ein paar spannende Position. Unter anderem ein ganze Seite von Tino Kubans Schätzen aus der Maison Glandien. Diese raren Flaschen sind ohnehin schon überall hype-bepreist, da jetzt alles mit Faktor 10 zu kalkulieren, verdient sich eine extra Erwähnung. Also: Mittagstisch, Wein auslassen, schadet auch nicht.

Das beste Essen der Reise: Blaue Traube in Algund.

Weitere Restaurantempfehlungen in Südtirol, die wir nicht geschafft haben:

  • Atelier Mössmer / Norbert Niederkofler
    Haben wir leider noch immer nicht geschafft, aber nur das absolut Beste gehört. Steht sehr, sehr weit oben auf unserer Liste.
  • Pramol Alto
    Ex aequo ganz vorne auf der Liste steht das Konzept von Ethel und Jakob. Wir kommen demnächst, versprochen!
  • Miil
    Haben wir letztes Jahr gemacht. Feine Küche, die uns nicht 100% überzeugt hat, spannende, fair kalkulierte Weinkarte.
  • Pretzhof
    Ebenfalls auf unserer Liste, kommt mit besten Empfehlungen weinliebhabender Menschen.
  • Löwengrube
    Traditionelles, klassisches Restaurant in Bozen mit einem schönen Weinkeller. Eher oldschool, aber immer eine Bank!

Zum Glück gibt es noch viel zu entdecken.

Hotelempfehlungen in Südtirol

Wer gut Essen & Trinken will, der muss auch irgendwo übernachten. Wir haben heuer im Stroblhof in Eppan genächtigt, ein traditionelles Weingut, ein familiengeführtes Weingut mit Hotel – mittlerweile auch auf moderne Appartements erweitert. Das Herzstück ist der wunderschöne Naturteich mit Blick auf die Berge – Sportbegeisterte kommen hier auf jeden Fall auf ihre Kosten. Hier kann man praktischerweise auch sehr gut Essen & Trinken, Mittags gibt’s ein paar leichte Gerichte, abends etwas mehr. Und auf der Weinkarte stehen neben einem schönen Südtirol-Überblick auch Positionen von ARPEPE, Fontodi oder JJ Confuron. Nicht schlecht! Auch immer fantastisch ist das 1477 Reichhalter in Lana, ein Boutique Hotel mit nur 8 Zimmern, das den großen Vorteil eines Spa-Bereichs im Schwesterhotel Schwarzschmied mitbringt (zusätzlich zu großartigem Abendessen!).

Weitere Hotelempfehlungen, die wir noch nicht ausprobieren konnten:

  • Parkhotel Mondschein (Eine wunderschöne Oase mitten in der Bozner Altstadt)
  • Hotel Tschögglbergerhof (Rustikales Hotel oberhalb von Bozen)
  • Gasthof Kohlern (Hier kann man nicht nur Essen, sondern auch übernachten)
  • Ottmanngut Suite & Breakfast (Schaut euch einfach die Bilder an!)

Bis bald in Südtirol.