Erwin Tinhof: Neuburger Ried Golden Erd 2017

Trausdorf an der Wulka, Leithaberg, Burgenland
Rebsorte: Neuburger

Kategorie: classic – funky – crazy

Wie kein anderer steht Erwin Tinhof für Neuburger. Doch begonnen hat alles in Frankreich, als Erwin Tinhof im Rahmen seiner Ausbildung in Eisenstadt ein Auslandssemester in Montpellier gemacht hat. Das hat ihn nicht nur zu Languedoc-Legende Aime Guibert geführt, sondern ihm viel über Wein gelehrt: Wein ist Wein, nicht mehr und nicht weniger. Enorm wichtiges Kulturgut, aber nie überhöht. Durch diese prägende Zeit war ihm klar, dass er echten Wein machen möchte. Mit Rebsorten, die es immer schon gab im Leithagebirge und nicht mit den internationalen Rebsorten die Ende der 80er und Anfang der 90er in ganz Österreich nach dem Weinskandal ausgepflanzt wurden. Denn Mainstream war nie sein Ding – und auch da wurde er in Frankreich bestärkt.

Die internationale Stilstik im Blick, entschied sich Erwin Tinhof für nicht für den einfachen, sondern für den schwierigen Weg. Neuburger in den 90ern, eine Rebsorte die niemand ernst genommen hat und für die sich niemand freiwillig im Einkauf entschieden hat, wie er selbst erzählt. Aber Erwin Tinhof wäre nicht Erwin Tinhof, würde er nicht einfach durchziehen. Neuburger, eine zutiefst österreichische Rebsorte die kaum Sortentypizität zeigt, aber umso mehr das Terroir, die Herkunft widerspiegelt war die perfekte Rebsorte für sein Vorhaben. Weine keltern, welche die Heimat von elf Generationen Tinhof repräsentieren.

Entgegen aller Widrigkeiten hat sich Erwin Tinhof seine Händler und Kunden gesucht, wohlwissend, dass er quasi am Markt vorbei produziert – und immer vorbei produzieren wird. Es war klar, dass Neuburger nie Wein für die Masse sein wird – und auch, dass man damit nie reich werden wird. Aber was ist schon reich? Erwin Tinhof hat seine Werte, seine Überzeugungen und sein Herzblut für die Region nie über den Haufen geworfen. Ihm ist es zu verdanken, dass der Neuburger heute als Leithaberg DAC wieder mehr Wertigkeit erfahren hat. Und seinen Neuburgern ist es zu verdanken, dass man das ganze Potential dieser Rebsorte entfaltet schmecken kann.

Weinfotos: © Wein für Wein; Foto des Winzers: © Erwin Tinhof

Verkostungsnotiz
Intensives Goldgelb, Viskosität mittel-plus. In der Nase Honigwabe, ordentlich Würze in Richtung getrocknete Küchenkräuter und etwas Nelke, reife gelbe Frucht mit etwas Zitrus-Anklängen. Für uns geht das in Richtung Quitten-Gelee und etwas getrocknete Marille, wobei Würze und Honig ganz klar überwiegen. Am Gaumen zeigt sich zu Beginn auch etwas Honig, der körperreiche Wein zeigt wieder das Quitten-Gelee und im langanhaltenden Abgang bleiben medizinale Kräuter, etwas Nussigkeit und erneut die getrocknete Marille. Durch die präsente Säure bleibt der Wein insgesamt auf Zug und macht mit etwas Reife wirklich Spaß, sollte auf jeden Fall mindestens 5 Jahre reifen.

9,1/10

Punkte Kady

Die Nase daugt mir schon sehr, auch insgesamt ein sehr interessanter Wein – auf Neuburger wäre ich blind wirklich nicht gekommen.

9,0/10

Punkte Michael

Ein Neuburger der zeigt, was die Rebsorte kann. Mineralisch, leichte Nussigkeit im Alter, viel Würze bei angenehmer Frucht im Hintergrund.

Und hier findet ihr den Wein
Gekauft haben wir den Wein bei NeunWeine, die Weine von Erwin Tinhof findet ihr auch bei Wein&Co oder ihr bestellt direkt beim Weingut. Der Neuburger Ried Golden Erd 2017 kostet knapp 40€ und ist bei NeunWeine auch in diesem bereits etwas gereiften und ab jetzt wirklich trinkreifen Jahrgang noch verfügbar.

Das können wir noch empfehlen…
Erwin Tinhof steht für Neuburger wie kein anderer – sehr spannend finden wir neben dem Golden Erd auch den neuen Neuburger Ried Oberberg, der nochmals mineralischer und karger daherkommen soll. Nachdem mit 2019 hier gerade der erste Jahrgang released wurde, sollte man den Wein allerdings jedenfalls noch 2-3 Jahre lagern bevor er sein volles Potential zeigt.

Podcast-Folge Nr. 44
Unsere Podcast-Folge zum Neuburger Ried Golden Erd 2017 von Erwin Tinhof könnt ihr überall hören, wo es Podcasts gibt – zum Beispiel direkt hier oder bei Spotify.