Eine Flasche Weissburgunder von Georg Schmelzer und ein Glas von Mark Thomas.

Georg Schmelzer: Weissburgunder Unfiltriert 2018

Gols, Neusiedlersee, Burgenland
Rebsorte: Weissburgunder

Kategorie: classic – funky – crazy

Georg Schmelzer aus Gols – nicht zu verwechseln mit Georg Schmelzer vom Weingut Horst & Georg Schmelzer, in Gols ist es wie immer namenstechnisch kompliziert – wird liebevoll auch als Demeter-Schmelzer bezeichnet. Der Zugang zu biodynamischen Weinbau und zum Demeter war bei Georg Schmelzer immer schon irgendwie da. Umgesetzt hat er dieses Gefühl, dass ihn in seiner Arbeit schon jahrzehntelang begleitet hat, dann aber „erst“ 2012. Aber von Anfang an: Die Geschichte von Georg Schmelzer ist keine leichte. Mit 17 Jahren musste er in den 1980ern aufgrund des Unfalltodes seines Vaters von einem Tag auf den anderen das Weingut übernehmen. Unter Mitarbeit seiner Mutter hat er dieses innerhalb weniger (schwieriger) Jahre zu einem renommierten Weingut in Österreich gemacht, wurde vor allem mit seinem Zweigelt immer wieder ausgezeichnet und von der traditionellen Rotwein-Szene in Österreich in höchsten Tönen gelobt. Und dennoch war Georg Schmelzer nicht zufrieden, hat experimentiert, ausprobiert. Weniger Filtration bis gar unfiltrierte Weine. Kein oder wenig Schwefel. Keine übermäßige Bewässerung. Keine Spritzmittel. In den 90er Jahren in Österreich eigentlich undenkbar, natürlich hat das auch immer wieder angeeckt. Aber seine Weine wurden weiterhin gut bewertet und ausgezeichnet, doch Georg Schmelzer hat auf all das wenig Wert gelegt. Immer war dieses Gefühl da, dass es da noch etwas geben muss.

Und dann kam ein Bio-Zertifizierungskurs inklusive biodynamischen Elementen, die Georg Schmelzer dazu gebracht haben, ein Weingut das sehr erfolgreich gelaufen ist und bald mit Unterstützung seines Sohnes geführt werden sollte, nochmal komplett umzukrempeln: Im Jahr 2008 wurde von 0 auf Demeter umgestellt, ein Zugang den er eigentlich schon immer in sich getragen hatte und nur nicht benennen konnte. Und seitdem arbeitet Georg Schmelzer auf seinen 15 Hektar nach biodynamischen Grundsätzen, greift so wenig wie möglich in die Weinbereitung ein, filtriert nicht, pumpt nicht, schwefelt bei den meisten Weinen nicht und arbeitet mit Maischestandzeiten. Eigentlich hat sich für ihn nicht wahnsinnig viel geändert am Zugang auf natürliche Art und Weise Wein zu machen. Es ist nur noch ein bisschen klarer und radikaler im positivsten Sinne geworden. Und das schmeckt man auch.

Verkostungsnotiz

Kräftiges Goldgelb, geht schon in die Orange-Richtung, ganz klar unfiltriert bei mittlerer Viskosität. In der Nase kommen einem sofort die würzigen Aromen entgegen, eher medizinale Kräuter, dazu etwas Pfeffer und leichte Holz-Würze. Die drunterliegenden Fruchtnoten öffnen sich erst mit Zeit und Temperatur. Ganz klar gelbe Steinfrucht, reife Pfirsichnoten gepaart mit Mandarin, der Gerbstoff bringt etwas Zestigkeit hinein. Am Gaumen wiederholt sich der intensive Pfirsich, Orangezeste, schöner Schmelz. Durch das schöne Gerbstoffgerüst und die strukturgebende Säure bleibt der Weissburgunder sehr elegant und macht gleichzeitig Lust auf den nächsten Schluck.

9,1/10

Punkte Kady

Schau ma moi wos du sogst

9,2/10

Punkte Michael

Wunderschöne Kräuterwürze, dazu das Gerbstoffgerüst und die Säure – dadurch enorm trinkig und elegant.

Und hier findet ihr den Wein
Gekauft haben wir den Wein bei Vinonudo in der Westbahnstraße, der Weissburgunder Unfiltriert kostet um die 17€. Den Wein gibt es ebenfalls direkt bei Georg Schmelzer im Onlineshop zu kaufen oder bei den Natural Wine Dealers!

Das können wir noch empfehlen…
Die Weine von Georg Schmelzer gehen von Einstiegs-Naturweinen wie dem Weissburgunder oder dem Grünen Veltliner bis hin zu etwas mehr funky: Sehr spannend finden wir die Schlicht und Ergreifend Orange-Wine-Reihe (der frührote Veltliner!) oder den Cabernet Sauvignon Berg Werk aus der Qvevre.

Podcast-Folge Nr. 30
Unsere Podcast-Folge zum Weissburgunder Unfiltriert 2018 von Georg Schmelzer könnt ihr überall hören, wo es Podcasts gibt – zum Beispiel direkt hier oder bei Spotify.